Umsätze Pflegeimmobilien brechen Rekorde Irene Hopfenmüller Pflegeheim Pflegefonds Pflegemarkt Immobilienmarkt Sozialimmobilie

In Zeiten, in denen die Europäische Zentral Bank (EZB) bereits seit mehreren Monaten eine Null-Zins-Politik verfolgt, leiden Sparer und Geldanleger besonders. Es gibt nur noch wenige lukrative Anlagemöglichkeiten, bei denen Anleger ihr Vermögen durch gute Renditen vermehren können.

Eine sehr gute Möglichkeit stellen Pflegeimmobilien als Investmentmöglichkeit dar. Dies wissen auch inländische wie ausländische Investoren und reißen sich daher um deutsche Pflegeimmobilien. Dadurch erreichte das Transaktionsvolumen in diesem Jahr bereits zum jetzigen Zeitpunkt Rekordwert.

Laut dem Immobilienberatungsunternehmen CBRE rücken alternative Anlagemöglichkeiten immer weiter in den Fokus internationaler Investoren. Dazu zählen besonders Betreiberimmobilien wie zum Beispiel Pflegeheime. Der Head of Research bei CBRE Deutschland Jan Linsin begründet das starke Interesse der Investoren bedingt durch den demografischen Wandel: „Der deutsche Pflegemarkt ist ein Wachstumsmarkt. Mit dem Rückgang der Bevölkerungszahlen geht eine drastische Veränderung der Altersstruktur einher, der die Frage aufwirft, wie wir im Alter leben und wohnen werden. Zumal bis 2030 die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in unserer Gesellschaft um gut eine Million Personen steigen wird.“

Dieses enorme Wachstumspotenzial nutzen bereits viele Anleger als zukunftsorientierte Investmentmöglichkeit. Vor allem institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen beteiligen sich immer mehr an der Assetklasse Gesundheits- und Sozialimmobilien, sodass das Transaktionsvolumen laut einer Analyse des CBRE in den ersten drei Quartalen mit 2,4 Milliarden Euro Rekordwert erreichte. Der bisherige Rekordwert, datiert aus dem Jahre 2006, betrug gerade einmal die Hälfte.

Besonders sei der Markt in diesem Jahr von Großtransaktionen geprägt worden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der ersten drei Quartale legte der Portfolioanteil um 32 Prozentpunkte auf 87 Prozent zu. „Die aktuellen umfangreichen Transaktionsumsätze am Pflegeimmobilienmarkt stellen definitiv eine Ausnahme dar. Dennoch verdeutlichen sie das Interesse und auch Vertrauen internationaler institutioneller Investoren – der Markt für Pflegeimmobilien ist erwachsen geworden“, erklärt Linsin die Attraktivität des Pflegemarktes. Das belegen auch die Zahlen: Gemessen am  gesamten Transaktionsvolumen des Gewerbeimmobilienmarktes liegt die Assetklasse Pflegeheime inzwischen bei über sieben Prozent. Der vorherige Anteil betrug nicht einmal zwei Prozent. Eine Steigerung des 3,5-fachen.

Dass der Bereich Pflegeimmobilien immer mehr seinem Nischendasein entwächst liegt vor allem daran, dass die Spitzenrendite für moderne Pflegeheime mit aktuell 5,75 Prozent gut 200 Basispunkte über der Rendite des Büro- oder Einzelhandelssegment liegt. Ebenso wird der Pflegemarkt nicht zuletzt nach der Reifung des Betreibermarktes in Folge der weiter fortschreitenden Konsolidierung positiver bewertet als in der Vergangenheit.

Für den Rest des Jahres sieht Linsins Prognose ebenso rosig aus: „Bis zum Jahresende rechnen wir am Markt für Pflegeimmobilien mit einigen größeren Transaktionen, sodass zum jetzigen Zeitpunkt eine Transaktionsvolumen von gut drei Milliarden Euro für 2016 durchaus möglich ist.“

© Ott Investment AG, 10/2016, „Umsätze bei Pflegeimmobilien brechen alle Rekorde“